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Aus dem Leben eines Pflegers

Donnerstag, 26. April 2012

Ein Grund meines wenigen Schreibens hier war dieser:

Diplomarbeit mit dem Thema "Stress in der Pflege" ist fertig.
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Samstag, 31. Oktober 2009

Aus der Arbeit.

Gestern - manchmal..
Eingesprungen -
Schülerin - sehr schwierig ..
Neue Kollegin - sehr bedacht -
Verantwortung -
Belastung - will und wie weit kann ich sie tragen?
Dann geh ich nach dem ofiziellen Dienstschluß nach Hause -
Finde Abends nur schwer Ruhe ...
Ist im Kathetersackerl auch wirklich Urin drinnen ??
Funktioniert die Informationsweitergabe ??

Tag mit trägem Dasein..
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Samstag, 17. Oktober 2009

Zwischen den Nachtdiensten.

3 x bin ich nun zwischen den Dämmerungen herumpflegend tätig gewesen. Das Hirnkastl ist außer seinem Rhytmus. Um 4h früh mußt du hunertprozentig funktiontüchtig jeden Einzelnen der mir an die 70 anvertrauten Bewohner besuchen. Manche sind nochmals frisch zu machen. Injektionen und Nüchterntabletten sind zu verabreichen. Lagern. Manche schlaflose Bewohner geistern schon herum...

Und heute sitzt ich herum und .... will etwas tun und bin ziemlich blockiert.
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Freitag, 11. September 2009

http://pflegeblog.twoday.net/

Zum Thema Tod
Ich möchte einen kurzen Bericht über einen Todesfall in unserem Pflegeheim schreiben.

Nachtdienst - ich bin auf meiner Runde, gehe von Zimmer zu Zimmer klopfe kurz an und gehe zum jewiligen Bewohner/ Bewohnerin und verabreiche Nachtmedikamente, mache frisch, reiche ein Glas Wasser, beruhige...

Gegen 20h30 ruft mich meine diplomierte Kollegin aus ihrem Stockwerk an, wo sie auch auf der Runde ist. "Du die Fr. Mantler (Name geändert) ist glaub ich gestorben!" Zufällig sind unsere beiden Pflegedienstleitungen im Haus - ich gehe in ihr Büro und berichte ihnen vom Anruf meiner Kollegin- sie eilen sofort in das obige Stockwerk.
Gerade am Beginn des Nachtdienstes wollen viele Bewohner gleichzeitig ins Bett, deshalb gehe ich noch zu einer sehr ungeduldigen Bewohnerin und bringe diese ins Bett - würde ich zuerst zur eben verstorbenen Bewohnerin gehen, würde die ungeduldige Bewohnerin die ganze Zeit läuten. "Bitte ich möchte ins Bett".... also verschaffe ich mir auf diese Weise Ruhe - ich kann ja nicht zur Bewohnerin sagen, "Sie ich muß zu einer eben Verstorbenen", da hätte sie und ebenso ich sicher keine ruhige Nacht. Während ich die Bewohnerin ins Bett bringe ruft mich meine PDL(Pflegedienstleitung) an - "Bitte komm zur Fr. Mantler und hilf sie zurechtmachen, die Angehörigen sind auf dem Weg hierher."
Also wieder runter ins Erdgeschoß (ich hab im EG und im 1.Stock Dienst)- Hauptüre wieder aufsperren und rauf in den 3.Stock zur Fr. Mantler, die eben verstorben ist. Ich bin allein, die Diplomierte und mein Kollege aus dem 2. Stock sind irgendwo unterwegs. Die PDL´s sind auch schon wieder fort.
Also den mitgebrachten Paravant aufstellen, damit die Zimmernachbarin die nun folgenden Handlungen an der Toten nicht mitansehen muß. Waschschüssel, Handtücher, Waschlappen, Inkohose, frisches Bettzeug, frisches Nachthemd, und Abwurfeimer vorbereiten. Ich ziehe der Bewohnerin das besudelte (tut mir leid für diesen Ausdruck) Nachthemd aus - Dabei baumelt der Kopf hin und her, die Arme schlänkern herum, ich bemühe mich so gut es geht ruhig und ohne viel Herumbaumeln des Kopfes und der Arme und trotzdem zügig zu arbeiten, während des Waschens, Umziehens, und des Bett -frisch -überziehens treffen die Angehörigen ein. Ich bitte sie noch im Speisesaal zu warten, die Diplomierte und mein Kollege aus dem 2. Stock kommen auch noch.
Über den Tod wird nicht geredet.
Die Schwester erzählt uns kurz den Hergang des Sterbens- die Bewohnerin sei zu ihr auf den Gang raus gekommen und klagte über Übelkeit, Schwester Ilona (Name geändert) habe ihr Blutdruck und Puls gemessen, beide waren sehr instabil- sie habe dann den Notarzt angerufen. Innerhalb weniger Minuten aber sei Fr.Mantler verstorben. Die PDL habe daraufhin dem Notarzt abgesagt und dafür die diensthabende Amtsärztin wegen der Totenbeschau angerufen.
Wir machen die Verstorbene zurecht und räumen alles Schmutzige weg. Die Diplomierte bittet die Angehörigen zu kommen. Ich warte vor dem Zimmer und fordere die Angehörigen auf, hineinzugehen. Die Tochter von Fr. Mantler schaut mich sehr schockiert an. Mir käme mein Beileidsspruch fehl am Platz vor. Ich bleibe stehen, bis sie im Zimmer sind. Im Hintergrund taucht die Amtsärztin auf, sie macht auch immer wieder Visite im Haus.
Ich gehe wieder in mein Stockwerk und setzte meine Runde fort, ohne den anderen Bewohnern merken zu lassen, was gerade im Haus geschehen ist.
Rudolf.
Mehr aus der Welt der Pflege siehe hier > http://pflegeblog.twoday.net/
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Samstag, 27. Juni 2009

Aus der Pflege!

Guten Tag Frau Sonja Schiff!
Mein Name ist Rudolf - Ich arbeite seit 3 Jahren als Pflegehelfer in einem Grazer Seniorenheim.
Gestern fand ich ihren Blog hier und habe mir erlaubt ihn zu abbonieren. Kurz habe ich auch in "Aufgepasst hier kommt die Pflege" gestöbert. Sie fordern: wir Pflegende sollten mehr Öffentlichkeitsarbeit leisten.
Gut ich werde ihnen in meine Gedanken dazu übermitteln.
1. Wir Pflegende stehen unter der Verschwiegenheitspflicht.
2. Besonders in der Seniorenpflege sind wir immer wieder in "nicht erzählungswerten Arbeitssituationen"
3. Der Druck in der Arbeit ist meist so groß, daß die mesisten von uns froh sind, wenn sie sich in Ruhe erholen können.

Zu Punkt 1 - Verschwiegenheitspflicht.
Ich selbst merke immer wieder wie speziell die einzelnen Menschen sind. Ich habe einen natürlichen Respekt davor, den Menschen den wenigen Raum noch zu lassen, den sie im Pflegeheim haben, das beinhaltet sie nicht auch noch in die Öffentlichkeit zu zerren. Ehrlich gesagt ich erzähle meinen Kindern und meinen Freunden wenig aus meinem Berufsleben.
Zu Punkt 2 - Arbeitsalltag
Davon den Menschen zu erzählen, daß wir jeden Tag, besonders die Pflegehelfer, mit Urin und Stuhl zu tun haben - wer will das schon hören? Davon zu erzählen unter welchem Zeitdruck wir Menschen das Mittagessen verabreichen - davor schäme ich mich.
Davon den Menschen zu erzählen - daß die Nachmittage meist unter Stumpfsinnigkeiten dahindämmern, weil man selber als Pflegender bis dahin von der Morgenpflege schon ziemlich ausgelaugt ist ..
Und dann am Abend so schnell wie möglich die Menschen ins Bett zu bringen, wer erzählt davon schon gerne ?
Zu Punkt 3 - Ruhebeürfnis
Aus den oben erwähnten Punkten folgert sich dieses Ruhebedürfnis. Und diese Ruhe ist immer wieder notwendig, wir Pflegende sind ja keine gefühlslosen Menschenberuhiger, wir nehmen ja Anteil an den Schicksalen der uns anvertrauten Menschen. Wir arbeiten unter Bedingungen denen ich mich oft nicht ausliefern möchte. Oft denke ich mir, möchte ich der sein, der von mir geflegt und möglichst schnell in den Speisesaal gebracht wird, damit der nächste Mensch auch noch zu seinem Frühstück kommt? Und dann wenn ich nach Hause gehe, muß ich irgendwie abschalten, damit ich mich für den nächsten Dienst, es sind ja auch Nachtdienste zu leisten, erholen kann.
Also mir geht es so. Konkret stehe ich z.B. in einer sehr schwierigen Situation - ich möchte die berufsbegleitende Ausbildung zum Diplompfleger absolvieren - doch ich fand bisher nicht den Mut, auch aus Gründen der Müdigkeit, diesen Schritt zu tun.
So das sind denke ich einige wichtige Gründe, warum wir so wenig in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Ein wesentlicher Punkt ist noch die hohe Eigenverantwortlichkeit. Wir alle haben eine sehr große Verantwortung - Dadurch fühlt sich immer jeder selbst betroffen, wenn irgendetwas "schief" läuft. Und dadurch ist jeder persönlich angreifbar - oder im Umkehrschluß wird jede/r zur Tiegerin oder zum Löwen. Ich meine damit, ich erkenne meine Schwächen und merke wie sich meine Schwächen auswirken können. Jeder Pflegende weiß das. Immer wieder diese persönlichen Betroffenheiten, und das hindert uns gemeinsam vorgehen zu können; hindert die Durchführung von Betriebsratswahlen, ... hindert im Endeffekt eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit.
Jetzt habe ich gerade den Titel geschrieben - Pflege im abgeschirmten öffentlichen Raum - das trifft es sehr gut - uns wird ständig auf die Finger geschaut - Auch wenn wir unser Bestes leisten, können wir das Sterben nicht verhindern. Und Sterben macht schweigsam.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich für http://careconsulting.twoday.net/stories/5773264/#comments
verfaßt.
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